
„Bewegung ist eine elementare Form des Denkens“ (Piaget)_
Kinder bringen eine natürliche Bewegungsfreude und –fähigkeit mit. Sie entdecken ihren Körper und seine Fähigkeiten, bilden ihre grob- und feinmotorische Geschicklichkeit aus, erforschen ihre Umwelt, treten in Kontakt zu anderen Kindern. Sie erleben Erfolg und Misser-folg, lernen ihre Lebensgrenzen kennen und zu steigern. Bewegung fördert die körperliche, aber auch die kognitive Entwicklung.
So werden zum Beispiel die Sprachentwicklung und das mathematische Grundverständnis durch das Ermöglichen vielfältiger Bewegungserfahrungen positiv unterstützt. Der Zusam-menhang zwischen Motorik und Sprache liegt einerseits darin, dass die entsprechenden Berei-che im Hirn in enger Wechselwirkung stehen, anderseits sind Bewegungsangelegenheiten meist auch Sprachanlässe, sodass über und mit Bewegung und Rhythmik der Spracherwerb angeregt werden kann.
Wahrnehmung und Orientierung in Raum und Zeit stehen in engem Zusammenhang mit den Grundlagen für ein mathematisches Verständnis. Bewegung durchzieht das Leben in allen Bereichen; somit wird auch deutlich, dass sich der Bildungsbereich Bewegung durch den ge-samten Alltag hindurchzieht und allen Bildungsbereichen verbunden sind.
Sie spüren, was sie gut können und was ihnen noch nicht so gut gelingt und merken gleichzei-tig, dass sie ihre Fähigkeiten durchs wiederholte „Probieren“ verbessern können.
Kinder suchen eigenständig nach Bewegungsmöglichkeiten und fein- grobmotorischen Her-ausforderungen. Bewegung ist für sie erforschen und Begreifen der Welt, Sinneserfahrung, Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, Kommunikation, Mobilität, Selbstbestätigung, Her-ausforderung und Lebensfreude.
Kindern muss eine Umgebung angeboten werden, die ihrem Bedürfnis nach Bewegung Rech-nung trägt und ihnen vielfältige entwicklungs- und altersgemäße Erfahrungen ermöglicht, um ihre motorischen Fähigkeiten selbstständig aufzugreifen und mit weiteren Herausforderungen verknüpfen. Durch die sich stetig entwickelnden motorischen Fähigkeiten erwerben sie Ver-trauen in sich selbst, und ihre Autonomie erweitert sich.
So können Kinder ihr Körpergefühl und Köperbewusstsein weiterentwickeln und lernen, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Unterschiedliche Spielgeräte und Materialien, Fortbe-wegungsmittel und Geländeerfahrung fordern immer komplexere Bewegungen heraus, an denen Kinder ihre Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, realistische Selbsteinschätzung und Koor-dination herausbilden können.
Im gemeinsamen (sportlichen)Spiel entwickeln sie Teamgeist und Fairness und lernen mit Regeln umzugehen. Weiterhin entwickeln sich aus positiven Bewegungserfahrungen im Kin-desalter eine lebenslange Motivation zur sportlicher Betätigung, die dem allgemeinen Wohl-befinden und der Gesundheit dient.
Sie erleben durch Bewegung auch Gefühle, so spüren sie zum Beispiel Lust und Freude, wenn sie zur Musik tanzen, oder spüren wohltuende Ruhe beim entspannten Schaukeln. Sie erleben auch, dass Wut geringer werden kann, wenn man sie körperlich auslebt.
Zu den zählen die Grundbewegungsformen Gehen, Laufen, Springen, Hüpfen, Kriechen, Rollen, Schieben, Ziehen, Hängen, Balancieren, Steigen, Tragen, Werfen und Fangen. Diese Bewegungsformen entwickeln sich in den ersten drei Lebensjahren immer weiter.
Feinmotorische Prozesse wie die Beweglichkeit von Handgelenk und Fingern, Dosierung der Hand- und Fingerkraft sowie Auge-Hand-Koordination und der Fuß- und Zehenmotorik bau-en darauf auf. Sie bilden die Grundvoraussetzung für den Umgang mit Stift, Schere und ande-ren Materialien, z.B. der Umgang mit dem Löffel, das Kleben und erste Schneiden bei kreati-ven Angeboten, Zähneputzen nach dem Mittagessen, An- und Ausziehen von Schuhen, Ja-cken und Pullovern.
Die Kinder sind „Bewegungsforscher“, die auf spielerische Art und Weise ihre Fähigkeiten erproben und weiter ausdifferenzieren.
Sie sind dabei von sich aus motiviert und bereit, mit „Leib und Seele“ ihr jeweiliges Handeln zu verfolgen.
„Bewegung bedeutet für Kinder
• - sich selbst kennen lernen
• - sich mit anderen verständigen
• - etwas schaffen/produzieren
• - sich ausdrücken, empfinden
• - die Umwelt erkunden und erschließen
• - sich vergleichen, mit anderen messen“
(„Immer in Bewegung“, Film von Renate Zimmer)
Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie schon in ihrem ersten Lebensjahr enorm viel erlernt und geleistet. Sie haben sich bereits vom Säugling zu einem aktiven Kleinstkind ent-wickelt, das sich fortbewegt und jeden Tag etwas Neues dazulernt.(Das würde ich rausneh-men)
Das bedeutet für unseren Alltag und unser Handeln:
• Die Kinder sollen sich möglichst selbstständig, freiwillig und entsprechend ihrer Neugier-de und Bewegungslust ausprobieren können und eigene Erfahrungen sammeln
• Den Kindern Raum und Gelegenheiten geben, den eigenen Körper zu entdecken und zu erproben, z.B. mit Kissen, Matratzen und Hockern ein Flugzeug oder eine Burg zu bauen
• Variation von kleinen Bewegungslandschaften
• Regelmäßiger Besuch der „großen“ Turnhalle mit u.a. dem Aufbau großer Bewegungs-landschaften, Ballspielen, Spielen mit dem Schwungtuch etc.
• Ausflüge nach draußen und auf den Spielplatz und das damit verbundene Spielen mit Wasser und Sand und ausgiebigen Erkundungsgängen
• Bewegungs-, Sing- und Fingerspiele in unserem Morgenkreis
• Aufgreifen der gegebenen Räumlichkeiten, wie z.B. der schiefen Ebenen und Treppenstu-fen
• Angebote mit Matrazen und Untergründe mit verschiedenen Härtegraden
• Hochebene im Gruppenraum
• Räume für Rückzugsmöglichkeiten und „Ausruhen“ ermöglichen
• Klettergerüst auf dem Spielplatz, dabei aufmerksames Beobachten und Sicherheit geben, wenn es nötig ist, nach der Devise „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.
• Vielfältige Angebote zur Förderung der Grob- und Feimotorik durch Malen, Kneten, Schneiden, Matschen, Kistenein- und ausräumen, Steckspiele, Essen mit Besteck etc.
• Angebote mit dem Trichterkreisel, Wippe, Hockern
• Möglichkeit zum vertikalen und rotierenden Schaukeln in der Hängematte, dabei genaues Beobachten der Kinder und „Hören“ ihrer Wünsche